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Bernhard Schmid, Sven Simons, Martina Westfeld
Die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Pharmazie (DGKPha)
war in diesem Jahr der integrierten Versorgung von Brustkrebspatientinnen
gewidmet, mit speziellem Augenmerk auf die Chancen, die sich den Apothekern in
Klinik und Offizin durch die vor kurzem eingeführten
Diesease-Management-Programme (DMP) bieten.
Nach einer kurzen Begrüßung durch den Vorsitzenden der DGKPha, Herrn Dr.
Rüdiger Kilian, führte PD Dr. med. Jürgen Wacker, Frauenklinik Bruchsal, aus,
welche Anforderungen die Mitwirkung an einem DMP bedeutet: Die teilnehmenden
Krankenhäuser müssen als Brustzentrum zertifiziert sein, einen Onkologischen
Schwerpunkt bilden und einen Operateur aufweisen, der ab 2005 mindestens 50
Brustoperationen pro Jahr durchführt. Die Ärzte müssen mindestens einmal im Jahr
an einer interdiziplinären Tumorkonferenz teilnehmen und alle zwei Jahre an
speziellen Brustkrebsfortbildungen teilnehmen. Der mit dem DMP verbunden Aufwand
verlange den Beteiligten einiges ab, allerdings seien die Richtlinien einer
Zertifizierung noch strenger. Die zusätzliche Vergütungen aufgrund des DMP haben
dagegen eher symbolischen Charakter.
Im zweiten Teil seines Vortrags stellte Herr Dr. Wacker das Südwestdeutsche
Brustzentrum und die in diesem Verbund von der Frauenklinik Bruchsal erbrachten
Leistungen näher vor.
Wie Brustkrebspatientinnen nach der Klinik aus der öffentlichen Apotheke
heraus versorgt werden können, wurde von Herrn Volkhardt Lechler, Filderbahn
Apotheke Stuttgart, ausgeführt. Der Verein IntegraCare e.V. strebt ein
kleinzelliges, regionales Netzwerk von Apotheken an, das die Weiterbetreuung der
Brustkrebspatientinnen nach der Klinik übernimmt und durch persönliche
Bekanntschaft der Akteure, abgestimmte Regularien zur Patientenübergabe und eine
wissenschaftliche Begleitung sicherstellen möchte, das die Patientinnen im
Mittelpunkt stehen und die bestmögliche Therapie beziehungsweise Begleitung
erfahren.
Eine weitere Entwicklungsmöglichkeit für Apotheker stellte Herr Andreas
Scheuerle von der Obertor-Apotheke in Esslingen vor: Dem Brustforum Stuttgart
e.V. gehören, neben der gynäkologisch-onkologischen Kernpraxis, unter anderem
ein Strahlentherapeut, ein internistischer Onkologe, ein Psycho-Onkologe, ein
Pathologe, (ehemalige) Patientinnen und mehrere Apotheker an. Letztere stellen
nicht nur die Versorgung mit den notwendigen Arzneimitteln sicher, sondern
führen in den Räumen der Praxis eine strukturierte Beratung der Patientinnen zu
arzneimittelbezogenen Themen wie Emesis, Mucositis, Fatigue, komplementäre
Medizin und Ernährung durch.
Die Brücke zwischen Offizin und Krankenhausapotheke wurde dann von Herrn
Michael Höckel, SC Aponova, LBK Hamburg, geschlagen. Er stellte das Hamburger
Konzept zur Versorgung der Patienten mit Medikamenten und pharmazeutischen
Dienstleistungen vor. Dabei kann, unterstützt durch speziell ausgebildete
Apotheker, ein Unit-Dose-System, und entsprechende Software eine
patientenorientierte Arzneimittelversorgung (PAV) mit individueller
Arzneimitteloptimierung durchgeführt werden. Für die onkologischen Patienten
bedeutet dies, dass sie zu ihrer Chemotherapie und den damit verbundenen
Supportivmassnahmen durch einen PAV-Apotheker umfassend beraten werden
können.
Frau Martina Westfeld aus dem Arbeitskreis Klinische Pharmazie an der
Universität Bonn stellte ein Projekt zur Pharmazeutischen Betreuung von Mamma-
und Ovarialkarzinompatientinnen vor. Die Studie hat das Ziel, Betreuungskonzepte
zu erarbeiten und die Durchführbarkeit und den Nutzen der Pharmazeutischen
Betreuung zu untersuchen.
Im Vordergrund der Studie stehen die gezielte Optimierung der
Supportivtherapie und eine Verbesserung der Lebensqualität. Zudem wurde ein
Therapeutisches Drug Monitoring von Carboplatin bei den
Ovarialkarzinompatientinnen durchgeführt.
In die multizentrische, interdisziplinäre Studie wurden Mamma- und
Ovarialkarzinompatientinnen eingeschlossen, die zum ersten Mal eine ambulante
adjuvante Chemotherapie erhielten. An der Pilotphase des Projektes waren sowohl
onkologische Ambulanzen als auch niedergelassene Onkologen beteiligt. Als
Outcome-Parameter wurden Lebensqualität, Nausea und Emesis sowie
Patientenzufriedenheit definiert.
In der Pilotphase wurden 41 Patientinnen in die Studie eingeschlossen (21 in
der Kontroll- und 20 in der Interventionsgruppe). Die Ergebnisse zeigten, dass
die Lebensqualität der Patientinnen durch die Betreuung tendenziell verbessert
werden konnte. Ebenfalls konnte das komplette Ansprechen auf die antiemetische
Prophylaxe erhöht werden. Beides war jedoch nicht statistisch signifikant. Die
stärksten Verbesserungen zeigten sich bei der Patientenzufriedenheit mit der zur
Behandlung erhaltenen Information. Hier konnte z.B. die Globalzufriedenheit
signifikant verbessert werden. Die Ergebnisse des Therapeutischen Drug
Monitorings zeigten, dass die angestrebten Ziel-AUC-Werte von Carboplatin mit
den verabreichten Dosierungen nicht erreicht wurden.
Frau Westfeld berichtete, dass derzeit die Patientenrekrutierung für die
Hauptphase der Studie läuft. Hierin sollen nun neben einer pharmakoökonomischen
Untersuchung die in der Pilotphase gewonnenen Ergebnisse anhand einer größeren
Patientenzahl statistisch abgesichert werden.
Herr Sven Simons aus dem Arbeitskreis Klinische Pharmazie der Universität
Bonn stellte in seinem Vortrag Ergebnisse einer Kooperation zwischen der
Universität Bonn und der University of Strathclyde in Glasgow, Schottland, vor.
In Schottland ist der Klinische Pharmazeut bereits seit Jahrzehnten ein
fester Bestandteil multidisziplinärer Klinikteams. Die Pharmazeutische Betreuung
ist dort als patientenorientierte und qualitätssichernde praktische Umsetzung
der Klinischen Pharmazie in Lehre, Forschung und Praxis integriert.
Bei der Betreuung onkologischer Patienten durch Klinische Pharmazeuten spielt
nicht zuletzt die Dokumentation des Betreuungsvorgangs eine wichtige Rolle. In
Schottland wird hierzu seit einigen Jahren der dort entwickelte Pharmaceutical
Cancer Care Plan eingesetzt. Herr Simons veranschaulichte an einigen Beispielen,
wie dieses Hilfsmittel neben den Patientendaten und dem Medikationsprofil der
individuellen Therapie auch klinisch-pharmazeutische Interventionen im
Stationsalltag erfasst. Durch ein an der University of Strathclyde entwickeltes
Kategorisierungssystem dieser so dokumentierten Interventionen lässt sich die
vielfältige Tätigkeit des Pharmazeuten im Rahmen der Betreuung onkologischer
Patienten illustrieren.
Die Auswertung der gesammelten Daten verdeutlicht den qualitätssichernden
Aspekt der Betreuung onkologischer Patienten durch Klinische Pharmazeuten u.a.
dadurch, dass die große Mehrheit aller durch eine pharmazeutische Intervention
veranlassten Anpassungen des Behandlungsplans zu einer Streichung oder
zusätzlichen Verordnung eines Arzneimittels führten. Durch die fortlaufende
Anwendung und Auswertung der Pharmaceutical Cancer Care Plans, nun auch immer
mehr in Zusammenarbeit zwischen den beiden Instituten aus Bonn und Glasgow, wird
eine Optimierung dieses Hilfsmittels für Wissenschaft und Praxis angestrebt.
Frau Kerstin Geißelmann von der Apotheke des Klinikums der Johannes
Gutenberg-Universität Mainz brachte die Teilnehmer dann auf den neuesten Stand,
was die Prophylaxe und Therapie des chemotherapieinduzierten Erbrechens
anbelangt. Sie berichtete über die Studienlage zu neueren Antiemetika wie
Palonsetron und Aprepitant und wies auf Unterschiede in den Leitlinien der ASHP
und der ASCO sowie den Empfehlungen der MASCC hin. Beim
Mammakarzinompatientinnen sollte der Antiemese besondere Aufmerksamkeit
geschenkt werden, da zum Beispiel mit FEC und FAC Therapieschemata zur Anwendung
kommen, die als hochemetogen gelten. Aufgrund des Einsatzes von Cyclophosphamid
und Antracyclinen müsse außerdem mit verzögertem Erbrechen gerechnet werden.
Am zweiten Tag wurden in einem von Frau Westfeld und Herrn Simons geleiteten
Workshop mit dem Titel „Pharmazeutische Betreuung von Brustkrebspatientinnen –
ein Beitrag zum Disease- Management“ die am Vortag theoretisch erarbeiteten
Grundlagen vertieft.
Einleitend stellten die Referenten dar, wie das Konzept der Pharmazeutischen
Betreuung die Möglichkeit bietet, den Apotheker zukünftig in die DMPs zu
integrieren. Besonders die Chemotherapie ist für viele an Brustkrebs erkrankte
Frauen mit großer Sorge um die Verträglichkeit verbunden. Den Patientinnen wird
eine supportive Therapie zur Vorbeugung und Behandlung therapieassoziierter
unerwünschter Wirkungen angeboten. Ansatzpunkte der Pharmazeutischen Betreuung
beim Management von Nausea und Emesis, Obstipation und Diarrhö, Mucositis und
Fatigue wurde mit praktischen Hinweisen anschaulich dargestellt.
Die erarbeiteten Ansätze der Pharmazeutischen Betreuung von
Brustkrebspatientinnen wurden anhand ausgewählter Fallbeispiele, die von den
Teilnehmern in Kleingruppen bearbeitet wurden, erörtert und diskutiert. Seitenanfang 
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