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Lange Jahre ist die Klinische Pharmazie im Sinne
einer pharmazeutischen Betreuung von Patienten in Deutschland
diskutiert, aber nicht praktiziert worden. Inzwischen
ist das Fach in der Aus- und Weiterbildung verankert,
Apotheker, die sich intensiv mit der Patientenberatung
und -schulung beschäftigen, sind aber nach wie
vor selten.
Vom 07. bis 08. November 2003 trafen sich zur Jahrestagung
der Deutschen Gesellschaft für Klinische Pharmazie
Offizin- und Krankenhausapotheker in Ostfildern, die
in der Patientenberatung aktiv sind oder sich dafür
interessieren.
Im wissenschaftlichen Teil der Tagung wurde anhand
einer Fülle von Beispielen eindrucksvoll gezeigt,
dass Apotheker erfolgreich die direkte klinisch-pharmazeutische
Beratung von Patienten mit unterschiedlichen Grunderkrankungen
durchführen:
- Patientenschulung bei Herzinsuffizienz am St.
Johanns Spital, Salzburg (Christina Dückelmann)
- Beratung onkologischer Patienten im Allgemeinen
Krankenhaus, Harburg (Michael Höckel)
- Pharmazeutische Betreuung in der Unfallchirurgie
des Klinikums Nürnberg Süd (Dr. Anna Gisela
Hofmann)
- Diabetikerschulung im Krankenhaus Siloah, Pforzheim
(Susanne Mildenberger)
- Schulung und Beratung von Asthma-Patienten im
Helios Klinikum, Erfurt (Nils Keiner)
- Pharmazeutische Betreuung nach Lebertransplantation
am Klinikum der Universität Mainz (Anja Klein)
- Betreuung nierentransplantierter Patienten im
Universitätsklinikum Mannheim (Maria-Fransiska
Reinecke)
- Patientenberatung im Rahmen der integrierten
Versorgung in den Ruppiner Kliniken, Neuruppin (Pamela
Reissner)
- Das Projekt Pharmaziepraktikant auf Station
im Theresienkrankenhauses, Mannheim (Andrea Litzinger)
- Informationsbroschüren zur Beratung onkologischer
Patienten im Universitätsklinikum Heidelberg
(Tilmann Schöning)
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Nach den Kurzvorträgen zur Patientenberatungen
und -schulung befassten sich Ann Snyder-Strohkirch und
Susanne Digel mit der Frage, wie die Patientenberatung
durch Apotheker erfolgreich etabliert werden kann.
Im Rahmen eines Workshops wurden für häufige
Probleme bei der Umsetzung eines Beratungsprojektes,
wie der Zeit- und Personalmangel, die Finanzierung und
das Vordringen in den Kompetenzbereich der Ärzte
und der Pflege, Lösungen erarbeitet. Ziel des Workshops
war, die einzelnen Schritte und Stufen der Projektplanung
zu diskutieren und mögliche Hindernisse bei der
Umsetzung vorab zu erkennen und zu vermeiden.
Im ersten Schritt wurden die Ziele für das Projekt
Patientenberatung aus der Sicht der Apotheke formuliert,
um daraus die Kernbotschaften zu entwickeln. Die Kernbotschaften
sind entscheidend zur Begleitung des Projektverlaufs
und für die Gewinnung von Kooperationspartnern.
Ziele und Kernbotschaften müssen daher immer aus
der Sicht des Projektleiters und aus der Sicht der Kooperationspartner
und Kunden erarbeitet werden. Die Kunden des Projekts,
wie Patienten, zuweisende Ärzte, Pflegekräfte,
Klinikleitung, Anschlusseinrichtungen aber auch die
Kostenträger und Hausapotheken, müssen erreicht
werden.
Die Teilnehmer des Workshops formulierten Ziele aus
Sicht der Apotheke und Patienten für das Projekt
Patientenberatung, wie Verbesserung der Compliance,
Patientenaufklärung, Vermeidung von Medikationsfehlern,
Verbesserung des Outcomes oder Imagegewinn der Apotheke.
Aus der Sicht der Klinikleitung wurden die Ziele
Imagevorteile für das Krankenhaus, Patientenbindung,
transparente Prozesskosten an der Schnittstelle ambulant-stationär,
Etablierung abteilungsübergreifender Therapiestandards,
Zuweisungen von Fachärzten durch gemeinsame Qualitätszirkel,
Kostenersparnis, Einbindung in Disease Management Programme
oder Modelle integrierter Versorgung, Dokumentation
der Therapiequalität als Teil des Qualitätsberichtes
des Krankenhauses oder Arzneimittelsicherheit genannt.
Im nächsten Schritt der Projektvorbereitung
wurden im Workshop Beispiele für Kernbotschaften
und deren Kommunikation an die unterschiedlichen Kundengruppen
entwickelt.
Der Erfolg einer Patientenberatung durch Apotheker
ist insbesondere im kostensensiblen Umfeld des Gesundheitswesens
durch definierte Parameter nachzuweisen. Abgeleitet
von den Projektzielen wurden im Workshop die messbaren
Faktoren eines erfolgreichen Patientengesprächs,
wie Laborwerte, Compliance, Krankheitssymptome, Patientenwissen,
Häufigkeit von Beschwerden, diskutiert.
Der Erfolg des Gesamtprojektes kann in der Außendarstellung
des Krankenhauses, Zufriedenheitsanalyse mittels Fragebögen,
Prozesskosten, Etablierung von Behandlungspfaden, Dokumentation
des Therapieverlaufs und der Therapiequalität nachvollzogen
werden.
Die Teilnehmer erarbeiteten die notwendigen Fertigkeiten
eines ergebnisorientierten Patientengesprächs.
Fragetechniken, Gestaltung des Umfeldes und Formate
von Standardformularen, wie allgemeiner Gesprächsleitfaden,
Gesprächsdokumentation, Anamnesebogen und Entlassbrief,
waren wichtige Inhalte.
Die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für
Klinische Pharmazie diente dem Austausch mit Apothekern,
die bereits in der Schulung und Beratung von Patienten
tätig sind. Die Teilnehmer profitierten von den
Anregungen erfahrener Kollegen, die bei der Planung
und Umsetzung eines Projekts Patientenberatung hilfreich
sein werden.
(Siehe auch Presseecho in der DAZ (143) 51/52, 18.12.2003).
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